Evelyne Leu, die Olympiasiegerin in Turin
2006 in der Skiakrobatik, startet motiviert und
voller Zuversicht in die neue Saison 2008/2009.
Obwohl ihre Konkurrentinnen immer zahlreicher und
stärker werden, rechnet sie mit erfolgreichen
Resultaten. Dafür feilte sie in den Sommermonaten
intensiv an ihrem Paradesprung, dem Full-Full-Full.
«Momentan gut.» So kurz wie prägnant
ist Evelyne Leus Antwort auf die Frage, wie sie sich
fühlt. Sie ist bereit für die neue Wintersaison.
Nach der langen Zeit seit dem letzten Saison-Wettkampf
im März 2008 freut sie sich nun auf den Saisonauftakt.
In ihre Freude mischt sich aber auch eine gewisse
Anspannung. Anfang Februar steht ein Wettkampf in
Vancouver auf dem Programm – auf der Anlage,
auf der sie an den Olympischen Spielen 2010 springen
wird. «Ich bin gespannt, wie mir die Anlage
gefällt und wie sie mir liegen wird»,
so Evelyne Leu. Doch nun sind erst mal als Saisonauftakt
die Wettkämpfe am 19. und 20. Dezember 2008
in Adventure Mountain in China angesagt. Klar, dass
sich die ehrgeizige Athletin entsprechend ehrgeizige
Ziele für die neue Saison gesetzt hat – eine
Saison, in der im März 2009 in Japan die Weltmeisterschaft
stattfindet: An dieser will sie auf dem Podest stehen.
Und generell will sie ihre Sprünge besser landen
als in der letzten Saison.
Die Konkurrenz schläft nicht
An der Landung hat sie im Sommertraining auf der
Wasserschanze in Mettmenstetten intensiv gearbeitet.
Ebenso intensiv gefeilt hat die 32-Jährige
an ihrem Paradesprung Full-Full-Full (Dreifachsalto
mit drei Schrauben), dank dem sie Olympiagold in
Turin 2006 holte. Dieser Sprung wird bei den Frauen
momentan mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad
bewertet. Nicht verwunderlich, springen ihn jedes
Jahr ein paar Athletinnen mehr. Evelyne Leu weiss,
dass die Konkurrenz immer grösser und stärker
wird. Doch davon lässt sie sich keineswegs
einschüchtern. Sie ist selbstbewusst, rechnet
sich gute Chancen für eine erfolgreiche Saison
aus. So sagt sie denn auch: «Mein Siegeswillen
und mein Ehrgeiz sind stärker als in der vergangenen
Saison.»
Angesprochen auf die vergangene Saison zieht sie
eine durchzogene Bilanz. Fünfter Rang in Mont
Gabriel. Bronzemedaille in Lake Placid. Sieg beim
Weltcup in Davos. Ansonsten konnte sie bei allen
anderen Wettkämpfen keine Erfolge vorweisen,
wurde von ihren Konkurrentinnen auf die hintersten
Plätze verwiesen. Sie fühlte sich nicht
gut, konnte sich nur mit Mühe motivieren. «Eine
Saison, wie ich sie nicht mehr erleben möchte»,
meint sie rückblickend.
Pläne für das Leben nach dem Spitzensport
Im Sommer gaben ihr das Training und das Arbeiten
an ihrer persönlichen Zukunft die nötige
Distanz zur letzten Saison. Sie steckte zusammen
mit ihrem Lebenspartner viel Zeit in die Planung
ihres Eigenheims, dessen Baubeginn für März
2009 vorgesehen ist. Ausserdem bereitete sie sich
in Berlin intensiv auf die Aufnahmeprüfung
für den Lehrgang zur Marketingfachfrau vor,
den sie im Sommer 2010 beginnen wird und damit
den Grundstein für ihr Leben nach dem Spitzensport
legt.
Wie motiviert sich eigentlich Evelyne Leu für
ihr Training, in das sie beinahe täglich sechs
Stunden für Technik, Kraft und Ausdauer investiert? «Ganz
einfach: über Ziele, die ich mir ganz bewusst
setze», so ihre Antwort. Im Winter führt
sie Tagebuch, in dem sie täglich notiert, was
sie heute erreichen will. Und im Sommer ist ihre
Motivation, im nächsten Winter besser zu sein.
Vancouver 2010 im Visier
Nicht immer, aber immer öfters kreisen ihre
Gedanken um die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver.
Ihr Training im Sommer richtete sich noch ausschliesslich
auf die anstehende Wintersaison. Die Umstellung wird
im kommenden Sommer geschehen. Wobei diese nicht
gross sein wird. «Ich werde etwas mehr auf
der Wasserschanze sein und eine Trainingseinheit
zusätzlich absolvieren», so Evelyne Leu.
Alles andere läuft aber wie gewohnt. Unverändert
bleibt ihr ungebrochener Ehrgeiz, ihren Titel als
Olympiasiegerin 2006 zu verteidigen. Ebenso ihr Lebensmotto:
Go big or go home!
3 Fragen an Evelyne Leu
Welche Bedingungen müssen erfüllt
sein, damit Sie einen perfekten Sprung vollziehen
können?
Es sind verschiedene Faktoren, die hier hineinspielen.
Der erste ist gutes Wetter, was sich allerdings nicht
beeinflussen lässt. Ein anderer ist das Selbstvertrauen,
das stimmen muss. Ich muss zu 100 Prozent sicher
sein, dass mir der Sprung gelingen wird. Zudem ist
es für mich wichtig, dass mein Umfeld stimmt.
Es ist wie bei einem Puzzle-Spiel. Perfekt ist es,
wenn sich alle Teile ergänzen und das Resultat
ein wunderbares Bild ergibt.
Wie sieht eine typische Trainingswoche aus?
Die Trainingseinheiten sind unterschiedlich, der
Zeitaufwand ist jedoch meist derselbe. An vier
Vormittagen wende ich je drei Stunden für
das Techniktraining auf der Wasserschanze in Mettmenstetten
auf. Dazu kommen fünf bis sechs Trainingseinheiten
Kraft, Ausdauer und Koordination hinzu, die ich
im Kraftraum oder in der Natur absolviere. Je nach
körperlichem Zustand bin ich noch beim Physiotherapeuten,
um spezifische Übungen zu trainieren.
Wie erholen Sie sich?
Ich achte darauf, dass ich pro Woche ein bis eineinhalb
Tage ohne Training bin, um dem Körper Zeit für
die nötige Regeneration zu geben. Was mir besonders
gut tut, ist die wöchentliche Massage. Gerne würde
ich mehr Zeit für Wellness und Saunabesuche aufwenden,
doch haperts meist an der konsequenten Umsetzung. Besonders
gut den Kopf lüften kann ich bei meinem Hobby,
dem Töpfern. Dafür bleibt mir aber im Winter
leider keine Zeit.