Zentimeter liegen zwischen einer perfekten Landung
und einem Sturz. Sieg und Niederlage sind sich gleich
nah. Das hat Evelyne Leu heute in Davos bewiesen.
Endlich wieder einmal ein Training bei guten Verhältnissen,
eine schön gefrorene Schanze, wenig Wind, konstanter
Speed im Anlauf. Die Schweizerin landet so gut wie
schon länger nicht mehr. Die Olympiasiegerin
fühlt sich gut und bereit für alles.
Den Wettkampf eröffnet Evelyne Leu mit ihrem Paradesprung, dem Full Full
Full (Dreifachsalto mit drei Schrauben). Eine saubere Landung und sie liegt in
Führung. «Ich wollte zwei Sprünge hinstellen. Damit habe ich
schon mal die Hälfte», beschreibt sie ihre Gefühle nach der Qualifikation.
Der Final am Bolgen in Davos findet in der Nacht statt. Im Scheinwerferlicht
springt Evelyne Leu gern. Da sehe sie die Landung fast noch besser als am Tag,
erklärte
sie bei früherer Gelegenheit. Im Anlauf, kurz vor
dem Absprung, zieht es ihr einen Ski kurz weg, doch sie
lässt sich nicht beirren. «Ich sagte mir noch
auf der Schanze: Wie der Sprung in der Luft aussieht,
ist zweitrangig, Hauptsache, ich stehe ihn.» Sie
hat in dieser unglücklich verlaufenen Saison bessere
Lay Tuck Fulls (Dreifachsalto mit zwei Schrauben) gezeigt
als diesen – aber auch schlechtere. Als sie den
letzten Sprung der Saison steht, weiss sie bereits, dass
das ihr bestes Resultat dieses Winters sein wird. Als
Führende nach der Qualifikation gebührt ihr
der letzte Sprung des Wettkampfs. Am Rang auf der Anzeigetafel ändert
sich nichts mehr. Dieser Sieg rettet ihre Saison nicht,
aber er versöhnt sie fürs erste. «Vor
dem Heimpublikum zu gewinnen ist ein super Abschluss. Über
die Bücher muss ich trotzdem.»
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