«Mit diesem Erfolg kommt man nicht zum Feiern
raus», sagte Christoph Peretten, Bereichsleiter
Freestyle bei Swiss-Ski, in seiner Ansprache. In
der Tat: Für Evelyne Leu war Möhlin nach
Frenkendorf (Wohnort), Mettmenstetten (Trainingsort)
der dritte Empfang als Olympiasiegerin. Nach dem
Einzug der Fahnendelegationen der Möhliner Vereine
und der Einspielung der Siegerehrung auf Grossleinwand
kam die Skiakrobatin im Schweinwerferlicht und unter
Standing Ovations auf die Bühne gelaufen. Moderiert
wurde die gut einstündige Feier von Dani Kalt.
Mit Björn Daehlie auf einem
Foto
Noch einmal wurden die beiden Olympia-Sprünge
eingespielt: «Ich habe sie mir zu Hause erst
zweimal angeschaut», hatte Leu verraten. Sie
verfolgte fasziniert und mit ihr alle Fans in der
Fuchsberghalle, was zuvor Freestyle-Team-Präsidentin
Nadja Hasler in Worte gefasst hatte: «Du drehst
und drehst und drehst und stehst!» Es sollte
der Sprung ihres Lebens sein, mit dem Leus grösster
sportlicher Traum in Erfüllung gegangen ist. «Der
Moment des Siegens, diese Emotionen, das wird mir
von Turin am stärksten in Erinnerung bleiben»,
sagte Leu. Und zum Foto, auf dem sie zusammen mit
der norwegischen Langlauflegende Björn Daehlie
drauf ist, wird sie besonders Sorge tragen: «Ihm
zu begegnen war sehr eindrücklich.»
Aus Freude am Ziehen
Den Grundstein zu Leus Erfolg hat, wie Karin Lüthi
vom Departement Bildung, Kultur und Sport bemerkte,
das Freestyle Team Fricktal gelegt. Charly Kuster
vom Regionalverband Schneesport Mittelland-Nordwestschweiz
wusste noch: «Es war Michele Rohrbach, die
Evelyne Leu in den Club geholt hatte.» Damals,
so Leu, wurde noch in der alten Kirche Wegenstetten
trainiert: «Wir mussten jeweils zuerst einheizen,
bevor wir mit den Trampolinsprüngen beginnen
konnten.» Und Gründungsmitglied Daniel
Hilpert erinnerte sich: «Niemand hatte vor
25 Jahren von einer Olympiamedaille geträumt.» Warum
hat ein kleiner Klub am Rhein in der Skiakrobatik
bloss so viel Erfolg? «Das Wort ´unmöglich´ ist»,
so Hilpert, «kaum je gefallen.» Ein Haufen
Individualisten hätten immer wieder am selben
Strick gezogen: «Aus Freude am Ziehen und nicht
am Ziel.» In diesem Umfeld hat sich Evelyne
Leu wohl gefühlt: «Wir hatte es immer
lustig.»
Die nächste Hoffnungsträgerin steht schon
bereit: Nadja Leuenberger hat soeben an den Junioren-Weltmeisterschaften
in St. Petersburg die Silbermedaille gewonnen. Vor
diesem Hintergrund kommt das Geschenk des Möhliner
Gemeinderates ans Team gerade recht: 2000 Franken
für die Juniorenförderung.
Ob Evelyne Leu ihren Titel in vier Jahren in Vancouver
verteidigen wird, ist eher unwahrscheinlich: «Ich
mache sicher noch eine Saison, dann schaue ich von
Jahr zu Jahr», sagt die bald 30-Jährige.
Das entspricht ihrem Lebensmotto: «Go big or
go home!» Vorerst wird sie noch die rund 100
Autogrammanfragen und die vielen Gratulationsschreiben
beantworten. Ihre Goldmedaille legt sie nicht in
den Safe, sondern hängt sie im Wohnzimmer auf: «Ich
will sie sehen.»
Text: Michael Mülli
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